Sport, Spiel und Spaß beim Bundesseminar 2004

 

Als bereits erfahrene Teilnehmerin beim Bundesseminar, immerhin bin ich bereits zum vierten Mal in Bad Blakenburg dabei, konnte ich absehen was mich erwartete. Gespannt war ich darauf, wie der verantwortliche Technische Direktor des DJJV, Joachim Thumfart, den Spagat zwischen fernöstlicher Tradition, Selbstverteidigung, Kampfsport nach Regeln und einem angenehmen Lehrgangsambiente schafft.

Zusammen mit ca. 330 weiteren Ju-Jutsuka bin ich in die wunderschöne Sportschule nach Bad Blankenburg gereist um in der letzten Juliwoche Ju-Jutsu zu erleben.

Ich möchte Sie als Leser mitnehmen auf eine Reise durch das Seminar und dessen Inhalte.

Am Sonntag, den 25. Juli, begrüßte uns der Vizepräsident für Breitensport Harald Born bei herrliche Sonnenschein vor der Sportschule zum Check-In und überreichte uns ein Shirt mit dem beziehungsreichen Titel „Ju-Jutsu. Mit Sicherheit Lebensgefühl“.  Ein großes Versprechen?

Ich selbst trainiere zwei Mal pro Woche Ju-Jutsu und gehe noch ein bis zwei Mal ins Fitnessstudio. Also bin ich einigermaßen fit und hatte mir für das Seminar einiges vorgenommen.

Am ersten Trainingstag wollte ich mal ganz traditionell beginnen und habe zum Frühsport Li Cheng Ji aufgesucht und mich in einer Gruppe mit T`ai Chi auf den Tag eingestimmt.

Zu meiner Überraschung begann das Training anschließend nicht sofort nach der Begrüßung durch den Verbandspräsidenten Herbert Frese, sondern uns wurde der Leitbildmoderator des DJJV, Herr Ochs, vorgestellt, der den versammelten Sportlern sehr eindrucksvoll darstellte, dass man als Sportverband eine Vision der Zukunft braucht um sich zu entwickeln. Hörte sich interessant an und ich beschloss mal bei einem der Vorträge von Herrn Ochs reinzuschauen.

Nach der Theorie ging es dann aber zur Praxis – und wie. Joachim Thumfart und Sascha Vetter ließen uns im Rahmen eines Duotrainings akrobatische Dinge vollbringen.

Tja, wo sollte man anschließend hingehen? Training auf vier Matten gleichzeitig und dazu noch meist ein oder zwei theoretische Vorträge. Nicht zu vergessen das Polizeitraining unter Leitung von Fritz Hahnstein von der Polizei München. Leider konnte man als Nichtpolizist dort nicht teilnehmen, schade, denn die Themen schienen interessant zu sein.

Ich suchte mir erst einmal eine Trainingseinheit bei dem dreifachen französischen Weltmeister im Fighting Bartrand Amousso aus und wollte dynamische Würfe trainieren.

Geschmeidig wie eine Katze glitt Bertrand über die Matte und zeigte uns die Ausführung von Würfen in moderner Ausführung. Klasse, habe eine Menge für meine eigene Wettkampftechnik mitgenommen.

Um etwas für meine nächste Gurtprüfung zu tun, irgendwann sollte der Schwarzgurt ja zu schaffen sein, absolvierte ich bei Dr. Simone Schmitt-Jacobs und Frank Witte eine Einheit Ju-Jutsu Kombinationen.

Nach kurzer Kaffeepause wollte ich es etwas ruhiger angehen lassen und dachte bei Andreas Schmidt mit dem Thema „Hebel im Bodenkampf“ richtig zu sein. Richtig war ich, aber anschließend auch richtig geschafft.

Später am Abend saß ich mit neu gewonnenen Trainingsbekanntschaften auf der Holzterrasse der Sport Bar, genoss einen Drink und sah wie Personen in weißen Anzügen der Trainingshalle zustrebten. Kann es sein, dass einige wirklich so verrückt sind und Abends um Acht noch trainieren gehen? Einige trugen sogar lange Stöcke mit sich.

Richtig, es gibt wirklich so Besessene, auf drei Matten wurde von der Dehnung, über Fighting bis Langstocktraining etwas geboten.

Nun aber zügig ins Bett. Früh am nächsten Morgen lockte Artur Allerborn zum Frühsport mit Stick Jogging. Lockeres Laufen ohne zu Schnaufen, aber die Handflächen glühten von den Stockdrills.

Allain Sailly aus Frankreich, den kannte ich schon vom letzten Jahr, sollte mich nach dem Frühstück mit flüssigen und schönen Ju-Jutsutechniken begeistern. Fantastisch was und wie er sich präsentiert. Er ist trotzdem immer bescheiden und beantwortet jede Frage.

Weiter ging es mit Infight bei Artur Allerborn. Eins weiß ich jetzt, die Deckung muss geschlossen sein, sonst tun selbst dick gepolsterte Handschuhe weh und ohne kräftigen Schweißverlust geht bei Artur nichts.

Endlich Mittagspause. Nach einem kurzen Nickerchen versuchte ich bei Christian Braun meine Abwehr von Messerangriffen zu verbessern und anschließend gab mir Andreas Güttner viele Anregungen für das Pratzentraining. Natürlich alles praktisch und als ich meinen obligatorischen Drink nach dem Abendessen genoss, zogen bereits wieder Gestalten in weißen Gewändern in die Trainingshalle. Kriegen die denn nie genug? Ach, ein Bodenkampfturnier steht an. Ich würde gern darüber berichten, aber ich war hundemüde und bin ins Bett gefallen.

Am Morgen des dritten Seminartages joggte ich für mich eine kurze Strecke rund um die wunderschön gelegene Sportschule und entschied mich nach dem Frühstück  etwas auszuruhen, schließlich wollte ich heute mal zu den Abendtrainieren gehören, und besuchte einen Führungskräftevortrag bei Herrn Ochs. Ups, haben wir da etwas verschlafen. Nach meiner Rückkehr werde ich meinem Ju-Jutsu Abteilungsleiter im Verein  dringend auf die momentanen Entwicklungen im Verband hinweisen. Zukunftsorientierung ist sicherlich immer ein interessantes Thema.

Anschließend Ju-Jutsu nach Prüfungsordnung bei Christian Braun oder Taktik bei Frank und Simone? Nun gut, die Wahl fällt schwer und ich habe ein Defizit – ich besuche das Schlagkrafttraining bei Artur Allerborn.

Nachmittags entspannen und erst mal ins das nahe gelegene Schwimmbad.

Der Abend kommt und ich gehöre zu rund hundert Besessenen die zur Trainingshalle pilgern, während andere faul ihren Drink in der Sport Bar nehmen.

Burn Out und 1000 Kicks war das Thema des Abends. Bei mir waren es 1400 Kicks und nach der Dehnung fühlte ich mich riesig.

Bei dem allabendlichen Informationsaustausch saß ich mit einigen Sportlern zusammen und wir berichteten uns gegenseitig von den verschiedenen Trainingseinheiten.

Ich möchte hier meinen Erlebnisbericht enden lassen, da das Seminar so viele Facetten hatte die ich  nicht selbst abgearbeitet habe, sondern von denen mir berichtet wurde und die ich auf jeden Fall noch in meinem Artikel ansprechen möchte.

Speziell für das Thema Sicherheit erfolgte ein wohl sehr gut besuchtes Polizeitraining, aber auch eine spezielle Fortbildung für die Frauenselbstverteidigung wurde von Martina Nieswandt angeboten. Moderation von Konflikten – hört sich interessant an. Stress gab es beim Verbandspräsidenten Herbert Frese. Wahrnehmung und Informationsverarbeitung unter Stress theoretisch und praktisch, echt praktisch.

Power Punch mit Simone und Frank, Sportverletzungen mit Dr. Simone Schmitt-Jacobs und verschiedene Trainingsformen aus dem T`ai Chi waren für die Figur- und Fitnessbewussten sicherlich ein Muss.

Sascha Vetter zeigte wie man Ju-Jutsu anwenden kann, obwohl körperliche Gebrechen einige koordinative Bewegungen ausschließen.

Beim Stunt- und Stocktraining mit Andreas Güttner wurden nicht nur Randbereiche des Ju-Jutsu beleuchtet.

Hebellegenden mit Heinz Lamadé, hört sich nach Tradition an. Wie ich hörte haben sich da nicht nur die Älteren vergnügt. Mit Heinz Lamadé stand immerhin der Vizepräsident des Weltverbandes als Trainer auf der Matte.

Die Talenttrainer Tim von Fintel und Wolfgang Strohschein haben mir persönlich sehr gut gefallen. Würde mich freuen die zwei Männer mal als Referenten zu erleben.

Sicher habe ich noch einiges vergessen zu erwähnen, liebe Trainer und Teilnehmer, seid mir bitte nicht böse. Es war ein Erlebnis dabei gewesen zu sein.

Was mir insbesondere aufgefallen ist, war die Superstimmung an allen Orten. Stimmung natürlich auch bei der Seminarfeier am Donnerstag. In die untergehende Sonne hinein zauberten Seminarteilnehmer eine Budoshow auf die Teichbühne der Sportschule bevor die Party startete. Von älteren Teilnehmern hörte ich, dass früher fast nur Männer am Seminar teilnahmen. Wie langeilig, wer sollte da miteinander tanzen?

Wir taten dies auf jeden Fall bis in den frühen Morgen, trotz Muskelkater.

Das Seminar war ein tolles Erlebnis, es kann sich jeder seine Sportrichtung heraussuchen. Mann/Frau trainiert miteinander ohne Rücksicht auf Geschlecht, Alter oder Nationalität und ich darf bestätigen: Ju-Jutsu. Mit Sicherheit Lebensgefühl.

Wir sehen uns im nächsten Jahr!

 

Mona Sonntag